Niedrigzins, Staatsanleihen – Aktuelle Herausforderungen der Geldpolitik

Einen besonderen Gast konnte die Fachschaft Wirtschaft und Recht am Dienstag, den 04. Dezember 2018 im Mehrzweckraum des PPG begrüßen: Der neue Leiter der Nürnberger Bundesbankfiliale Herr Bundesbankdirektor Markus Schiller hielt für die Q12-WR-Kurse der Schule einen Vortrag über die Geldpolitik der EZB und ihre aktuellen Herausforderungen.

Seit August 2018 leitet Herr Schiller die Filiale in Nürnberg, die eine von 35 „Außenstellen“ der Bundesbank ist und v.a. die Wirtschaft mit Bargeld versorgt. Im ersten Teil seiner Ausführungen zeigte Herr Schiller aber noch weitere Aufgaben auf, die dezentral in den einzelnen Filialen ausgeführt werden, etwa den nach wie vor möglichen Bargeldumtausch alter D-Mark Banknoten und Münzen. „Wir tauschen so gut wie alles um“ – kostenlos und unkompliziert. Etwas komplizierter wird es da schon, wenn „ein Kunde mit einer Tüte Asche vor der Tür steht“. Die Behauptung, es handle sich bei der Asche um die Überreste eines größeren Bargeldbestandes konnte nach nahezu kriminalistischer, monatelanger Feinarbeit tatsächlich bestätigt werden und der Kunde konnte sich damals über eine Erstattung in Form frischer Banknoten im Wert von ca. 200.000 DM freuen.

Der Hauptteil des Vortrags beschäftigte sich anschließend aber mit der Geldpolitik der EZB, so dass Herr Schiller zunächst noch einmal die überwiegend im Unterricht bereits behandelten Grundlagen des Eurosystems wiederholte. Die Schülerinnen und Schüler konnten ihr Vorwissen hier gezielt einbringen und Herr Schiller ergänzte die ein oder andere Wortmeldung mit Beispielen und veranschaulichenden Grafiken. Dabei unterschied er v.a. in die lehrbuchmäßige, sozusagen ursprüngliche Handlungsweise der EZB und in die „Geldpolitik zu Krisenzeiten“. Plausibel zeigte er dabei auf, wie sich die EZB in den Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise von ihrem eigentlichen Kurs verabschiedet hat und beispielsweise einen Negativzins von derzeit -0,4 Prozent für die kurzfristigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB (Einlagefazilität) festgelegt hat. „Warum kommen Banken denn trotzdem auf die Idee, ihr überschüssiges Geld bei der EZB einzulagern?“ Diese und weitere Rückfragen zu den Zusammenhängen des aktuellen (ultra-)lockeren geldpolitischen Kurses konnte Herr Schiller sehr anschaulich erklären und somit zur Nachvollziehbarkeit so mancher Entscheidung des EZB-Rates beitragen.

Den Abschluss des Vortrags bildete ein Überblick über die Volumina der derzeitigen geldpolitischen Instrumente, der klar verdeutlichte, dass das umfangreiche Wertpapierankaufsprogramm der EZB alle klassischen und v.a. von der Deutschen Bundesbank eigentlich favorisierten Instrumente insbesondere seit Oktober 2014 in den Schatten stellt. Zwar hat die EZB das Ankaufprogramm für Wertpapiere, wie etwa Staatsanleihen schrittweise zurückgefahren (Höhepunkt ab April 2016: 80 Mrd. Euro monatlich, derzeit 15 Mrd. Euro) – das Gesamtvolumen umfasst aber unglaubliche 2.595 Mrd. Euro.

Herr Schiller verstand es über die 90 Minuten seines Besuches am PPG bei seinen Ausführungen hingegen nicht nur Zahlen und Theorie in den Vordergrund zu stellen und rundete die Unterrichtseinheit für die angehenden Abiturientinnen und Abiturienten durch seinen Einblick in die Praxis sinnvoll und gewinnbringend ab. Wir würden uns sehr freuen, wenn wir ihn nach seinem ersten Besuch am PPG auch im kommenden Jahr wieder an unserer Schule begrüßen dürften.