Wir machen Schule.

 

Sehr geehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Schülerinnen und Schüler,

vielen Dank den Rednerinnen und Rednern für all die freundlichen Worte und die symbolträchtigen Geschenke.

Sie alle verteilen Vorschusslorbeeren, - zu Recht - oder auch nicht. Wir werden sehen.  Ich werde mich anstrengen, etwas davon einzulösen.

Im Verlauf der Vorbereitung auf die heutige Veranstaltung fanden viele Gespräche statt, war enorm viel Teamgeist zu spüren, um dieser Veranstaltung heute den angemessenen Rahmen zu geben – vielen Dank dafür, dem Team im Kollegium, im Sekretariat, dem Hausmeister, den Kolleginnen und Kollegen in der Schulleitung, den engagierten Schülerinnen und Schülern, hier packen Viele an! –

Im Vorfeld dieser Amtseinführung  gab es eine Äußerung aus den Reihen des hiesigen Personalrats mir gegenüber: „Wir sind schon neugierig zu hören, wofür Sie stehen!“

So stehe ich also nicht nur vor Ihnen, sondern auch vor der Frage, wofür ich stehe. 

Da diese Amtseinführung an einem Freitag stattfindet, müssen Sie nicht befürchten, eine Sonntagsrede zu hören.

Der Stellvertretende Schulleiter des PPG, Herr Pöhner, der Sie zu Beginn der Veranstaltung begrüßt hat, erlebt in seiner aktiven Dienstzeit den nun fünften Schulleiter am Paul-Pfinzing-Gymnasium in Hersbruck. Die Schule selbst, die als Lateinschule 1535 eine neu verfasste Schulordnung erhielt und deren Anfänge sich bis ins Jahr 1418 zurückverfolgen lassen, geht durch ihr 478. Schuljahr. So relativiert sich die Rolle des einzelnen – auch des Schulleiters – und man sieht sich in einer Kontinuität der Institution, die allen Anlass zur Bescheidenheit gibt. So stehe ich also, liebe KollegInnen des Personalrates zunächst für Kontinuität und für Bescheidenheit.

Wenn ich in die Schulordnung für die Gymnasien in Bayern blicke, lese ich dort im entsprechenden Paragraphen über den Schulleiter, das ist § 4.1. den Satz „Die Schulleiterin oder der Schulleiter trägt die pädagogische, organisatorische und rechtliche Gesamtverantwortung…“ – Sie sehen, liebe KollegInnen des Personalrates, der Schulleiter steht nicht nur vor Ihnen und für etwas – er steht vor allem in  - und zwar mitten in - der Verantwortung nämlich.

Der Wechsel eines Schulleiters ist mehr als nur der Austausch von Köpfen. Der Wechsel ermöglicht einer Schule das Nachdenken über Stärken und Entwicklungsprozesse, die von innen heraus definierbar sind. Die äußeren Rahmenbedingungen für die Arbeit im bayerischen Gymnasium werden uns dabei begleiten. Dabei werden wir erleben, dass das bayerische Gymnasium entfernt ist von dem frommen Wunsch nach Ruhe und Kontinuität in Fragen der bildungspolitischen Diskussion und Entscheidungen. Die Frage, die heute nicht abschließend beantwortet werden kann und soll, heißt nebenbei, ob Ruhe die erstrebenswerte Zielgröße von Bildungspolitik und von Bildung selbst sein sollte. Eher vielleicht: Geduld; doch davon später mehr – im Moment brauchen Sie ein bisschen davon.

Unsere gemeinsame Aufgabe der inneren Schulentwicklung – und darauf möchte ich mein Augenmerk lenken, ist, unseren SchülerInnen auf ihrem Weg zum gymnasialen Abschluss, zum Abitur, zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife, die notwendige Begleitung, Unterstützung, Förderung sowie alle möglichen Herausforderungen zu geben, indem wir die Anforderungen des Gymnasiums mit pädagogischem Blick und mit Motivation umsetzen. Ich stehe also – und das nicht alleine, liebe KollegInnen des Personalrates, mit Ihnen gemeinsam - für die fachliche und pädagogische Qualität des Gymnasiums.

Denn es gebührt Ihnen, verehrte Kolleginnen und Kollegen, der Dank für Ihre tägliche Arbeit. Sie sind das Herz, der Motor des PPG. Ich wünsche mir, dass dieser Dank auch immer wieder öffentlich ausgesprochen wird. Die öffentliche Wertschätzung des Lehrerberufs ist schon rhetorisch nicht immer präsent – und wenn es substantiell wird, bleibt einiger Handlungsspielraum.

„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“, sagt Karl Valentin. Ob ich noch der Fremde bin für das PPG und das Umfeld,  muss nicht ich beantworten. Fremd gefühlt habe ich mich hier von Anfang an nicht – und Hersbruck ist für mich nicht mehr die Fremde. Spätestens seit heute Morgen. Die Kolleginnen des Sekretariats und der Hausmeister haben mich u.a. mit einem Hersbrucker Stadtplan ausgestattet – ein sehr weises Geschenk; vielen Dank dafür, Frau Faber, Frau Hauser, Frau Lutter, Frau Pfeiffer und Herr Wolf – und weiterhin auf gute Zusammenarbeit.

Wir fangen gerade an uns aneinander zu gewöhnen, das PPG, die gesamte Schulgemeinschaft, die Stadt Hersbruck, der Landkreis Nürnberger Land und ich.

Gegenseitiges Kennenlernen ist ein Prozess. Geben wir uns also die Zeit, die dafür nötig ist. Ungeduld ist keine gute Ratgeberin. 

Bei der  Verabschiedung meines Vorgängers wurde häufig mit der Metapher vom „wohl bestellten Haus“ gearbeitet. Ein solch wohlbestelltes Haus muss zwar nach den Gesetzen der Statik gebildet sein – es ist aber kein statisches Gebilde. Insofern ist ein wohlbestelltes Haus ein sich weiterentwickelndes Haus. Schulentwicklung, vor allem die innere, ist eine ständige Aufgabe – für die, verehrte KollegInnen des Personalrates, kann ich gar nicht alleine stehen – dieser Aufgabe müssen wir uns gemeinsam stellen. Wir sind nicht nur Schule – wir machen Schule!

Einen Förderverein zu haben, tut jeder Institution, auch jeder Schule gut. Einen solchen Förderverein zu haben, wie ihn das PPG hat, ist schon ein besonderer Glücksfall. Hier treffen sich ehrenamtliches Engagement und die Verbundenheit mit der Schule gekoppelt mit einer starken Verankerung vor allem hier in der Stadt Hersbruck. Wer jemals auf dem Herbstball des Fördervereins war, weiß, wovon ich spreche. Das PPG profitiert davon im Wortsinn. Auf weiterhin gute Zusammenarbeit zum Wohl des PPG!

Das Profil des PPG wirkt über die Schule hinaus in die Stadt und in das Umland, im geografischen Sinn in den Altlandkreis Hersbruck, - natürlich den schönsten Bestandteil des Landkreises Nürnberger Land. In diesem Umfeld sind wir mit dem Angebot von drei Ausbildungsrichtungen unter einem Dach sehr attraktiv aufgestellt, wir können mehr anbieten als viele andere bayerische Gymnasien. Die jüngste Tochter des PPG, der musische Zweig ist in diesem Schuljahr mit viel Elan gestartet, wir arbeiten daran, die Attraktivität zu pflegen und nachhaltig weiterzuentwickeln. Dabei haben wir natürlich unsere beiden erwachsenen Töchter, den sprachlichen und den naturwissenschaftlich-technologischen Zweig, genauso fest im Blick. 

Wir haben zu arbeiten an der Kommunikation mit allen anderen Schulen im Einzugsgebiet – und im weiteren Sinne an der Kommunikation mit allen Bildungseinrichtungen dort. Ich stehe also – und auch dies kann ich nicht alleine - für die Entwicklung einer Bildungslandschaft in der Stadt Hersbruck und im Landkreis.  Ob das Qualitätssigel „Bildungsregion“ das Ziel ist, muss nicht die einzelne Schule entscheiden, das ist vor allem eine Frage der Politik im Landkreis. Das PPG würde sich als Partner sicher nicht verschließen.

Das PPG will auch immer, wenn sich die Gelegenheiten ergeben und die schulischen Abläufe nicht dagegen sprechen, ein Haus für Bildung und Kultur in der Stadt Hersbruck sein. Dass wir in gutem Kontakt und Austausch mit dem Rathaus in der Stadt sind, muss nicht groß hervorgehoben werden, ist alltägliche Selbstverständlichkeit. Wir freuen uns immer, wenn wir Sie, Herr Ilg, und Ihre MitarbeiterInnen im Haus begrüßen können. Das PPG würde gerne seinen Beitrag leisten zur Pflege der Städtepartnerschaft zwischen Hersbruck und Lossiemouth. Wenn Sie uns behilflich sein können bei der Anbahnung eines Kontaktes zur dortigen highschool, Herr Ilg, wären wir dankbar.

Die gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellen uns vor  Herausforderungen z.B. im Bereich der Demographie (Veränderungen der Alterspyramide), im Bereich von Arbeit und Beruf (Mobilität, Berufstätigkeit von Männern und Frauen – oder in unserem Zusammenhang von Vätern und Müttern, Entwicklung von fachlichen und sozialen Kompetenzen), im Bereich der Familienkonstellationen (die moderne Kleinfamilie ist nicht mehr das alleinige Modell), -  in all diesen Feldern werden auch Antworten von Bildungseinrichtungen konkret gefordert.

So müssen wir gemeinsam: Lehrerkollegium, Elternschaft, Sachaufwandsträger und Schulleitung, sorgsam eruieren , ob ein Ganztagsangebot am PPG eine Antwort auf die skizzierten  Herausforderungen sein kann. Ich stehe für eine gründliche Durchdringung dieser Frage, bevor wir ein Ganztagsmodell beantragen würden. Die Zusammenarbeit mit dem neu gewählten Elternbeirat ist sehr vertrauensvoll, wir werden diese Frage gemeinsam angehen.

Und: Ich gehe davon aus, dass wir beim Sachaufwandsträger dann keine großen Widerstände überwinden müssten.  

Es ist heute eine gute Gelegenheit, dem Landkreis als Sachaufwandsträger für die weiterführenden Schulen und hier speziell für das PPG zu danken. Für die Aufgeschlossenheit der Gremien, für den bildungspolitischen Schwerpunkt in den Entscheidungen des Kreistages, für die kurzen Wege bei Problemstellungen und –lösungen, ob das nun die Wege in die Kämmerei oder in die Hochbauverwaltung sind. Das PPG ist in diesem Sinne wörtlich ein wohlbestelltes Haus – das selbstverständlich weiter entwickelt werden muss. Unsere Wünsche, aber auch die Notwendigkeiten gehen dabei nicht aus. Und natürlich gilt der Dank ganz persönlich auch Ihnen, sehr geehrter Herr Kroder, für Ihre Verbundenheit mit Ihrem PPG. 

Alle Schülerinnen und Schüler, die eine Zugangsberechtigung für das Gymnasium haben, müssen dort auch ihren Platz finden können. Das ist zunächst natürlich eine Frage an die Eltern, an welcher Schule sie ihr Kind anmelden möchten. Es ist aber auch eine Frage an die Schule, ob sie möglicherweise die Rahmenbedingungen bieten kann, wenn ein spezieller Förderbedarf gegeben ist. 

Stichwort Inklusion – zu hoch gegriffen für die Möglichkeiten des Gymnasiums? Nein.

 Inklusion ist immer die soziale Teilhabe des Individuums. 

Jeder Einzelfall ist wichtig und es ist immer Wert, den Einzelfall zu unterstützen. In diesem Zusammenhang wünscht sich das PPG, verehrter Herr Landrat, verehrte Damen und Herren aus dem Kreistag und der Kreisverwaltung, auch dafür ist heute eine gute Gelegenheit, das PPG wünscht sich sehnlich einen barrierefreien Zugang zu allen Ebenen des Hauses. Ein Aufzug für das PPG steht auf unserer Wunschliste ganz oben. 

Soziale Teilhabe heißt auch, sich das Gymnasium leisten wollen und können. Soziale Teilhabe heißt auch, aus finanziellen Gründen nicht ausgegrenzt sein zu müssen.  Dort, wo individueller Bedarf vorhanden ist, greifen Elternbeirat und Förderverein unterstützend unter die Arme. Genauso brauchen wir auch den Landkreis immer dann als Partner, wenn aus dem Bildungs- und Teilhabepaket Unterstützung zu geben ist. Es darf nicht sein, dass Schüler des PPG vor der Mensa – und ich meine auch vor der Hausaufgabenbetreuung  - stehen bleiben müssen, weil sich deren Familien das warme Mittagessen oder die Betreuung der Hausaufgabe finanziell nicht leisten können.

Liebe Schülerinnen und Schüler, besonders für euch wünsche ich mir, dass die Schule der Ort ist, zu dem ihr mit Motivation und Neugier kommt. Der Ort, an dem ihr die nötige Zeit und die Geduld habt, Neues kennenzulernen, euer Wissen zu vermehren, an dem ihr euch ausprobieren könnt, gemeinsam mit Gleichaltrigen, der Ort, an dem ihr kreativ sein könnt. Das PPG soll der Ort sein, an dem wir uns alle mit Respekt, Achtung und Toleranz begegnen. Das PPG soll der Ort sein, an dem euere  Entwicklung vom Kindes- zum Erwachsenenalter begleitet wird. Wenn das PPG Unterstützung geben kann bei der Persönlichkeitsentwicklung, bei der Entwicklung von Weltoffenheit,  Kritikfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinsinn, dann ist Schule der Ort, der seine Aufgaben recht versteht. 

Ich möchte mich bei Ihnen allen bedanken für Ihre Anwesenheit, gibt sie mir doch das Gefühl, dass Sie mit der Schule verbunden sind.

Ein ganz herzlicher Dank gilt den Ensembles, die die Veranstaltung heute umrahmen. Danke an die Kollegin Rösch und die Kollegen Bräuer und Rauh für die Einstudierung der musikalischen Beiträge, danke den Schülerinnen und Schülern in den Ensembles. Und danke der Klasse 5e und ihrem Klassenleiter Herrn Bessmens. Haben doch die 5.Klässler und ich den Start am PPG zu Beginn des Schuljahres als verbindende Gemeinsamkeit.

Ich freue mich, dass ehemalige Schulleiter mir die Ehre geben. 

Dass ich in Schwabach lebe, hat sich herumgesprochen. Das wird auch so bleiben. Dass aus Schwabach der Oberbürgermeister und der Bürgermeister zu dieser Amtseinführung kommen, freut mich ganz besonders.

Und meine Familie ist zumindest teilweise anwesend. Schön, dass meine Eltern hier sein können. Und meine Frau dabei zu haben, tut gut. Meine Söhne sind so beschäftigt, dass sie heute nicht dabei sein können.

Nach dem Auftritt des Kammerchors unter der Leitung von Frau Rösch sind Sie alle ganz herzlich zu einem kleinen Umtrunk in der Pausenhalle des PPG eingeladen. Und: tragen Sie sich doch bitte in das Gästebuch des PPG ein.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, auf gute Zusammenarbeit. Gehen wir an die Arbeit!