Projektvorstellung

Seit Beginn des Schuljahres 05/06 haben am Paul-Pfinzing-Gymnasium ausgebildete Streitschlichter, auch Konfliktlotsen oder Mediatoren genannt, ihre Tätigkeit aufgenommen. Streitschlichter sind Vermittler aus der sogenannten Peer-Group, d.h. Gleichaltrige, in unserem Fall also Schülerinnen und Schüler aus der Mittelstufe, die über annähernd die gleichen Erfahrungen und Werte verfügen wie die Konfliktparteien, die sie um Hilfe bei der Lösung eines Konflikts bitten. Langjährige Erfahrung in anderen Ländern, seit einigen Jahren auch an zahlreichen bayerischen Schulen, hat gezeigt, dass Konfliktlösungen, die mit Hilfe gleichaltrigen Konfliktlotsen zustande kommen, oftmals leichter von Jugendlichen akzeptiert werden und daher nachhaltiger wirksam sind als Lösungen, die von Erwachsenen vorgeschlagen werden. Ziel des Einsatzes von Streitschlichtern ist, neben der unmittelbaren Lösung von Alltagskonflikten zwischen Schülerinnen und Schülern, die Förderung eines gewaltfreien Miteinanders an unserer Schule und die Einübung einer lösungsorientierten Streitkultur. Betont werden muss, dass dem Einsatz der Streitschlichter auch ganz klare Grenzen gesetzt sind: Konflikte mit Erwachsenen sind in diesem Rahmen nicht zu lösen, Umgang mit Mobbing und Straftaten gehört selbstverständlich nicht zum Aufgabenbereich der Streitschlichter. Auch die pädagogische Verantwortung und disziplinarische Maßnahmen von Lehrkräften und Schulleitung werden durch Streitschlichtung nicht beeinträchtigt.

Die Vorbereitungsphase für dieses Projekt begann bereits im Dezember 2003. Frau StDin Seuser und Frau OStRin Ober-Brambrink wurden in einem einwöchigen Lehrgang an der Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen zu „Coaches“ für die Ausbildung von Streitschlichtern fortgebildet. Im Laufe des Schuljahres 03/04 wurden Kollegium, Elternbeirat und Schülermitverwaltung ausführlich über das Projekt informiert und um ihre Unterstützung gebeten. Gegen Ende des Schuljahres wurden dann in den damaligen 7. Klassen nach gründlicher Information 11 Schülerinnen und Schüler, die sich freiwillig für diese anspruchsvolle Aufgabe gemeldet haben, ausgewählt.

Diese Schülerinnen und Schüler wurden im Schuljahr 04/05, also in der 8. Klasse, ausgebildet. Der Lehrgang fand vierzehntägig jeweils als Doppelstunde am Nachmittag statt.

Die Ausbildungsinhalte orientieren sich dabei an den fünf Phasen des streng strukturierten Mediationsgesprächs. In der Einleitungsphase begrüßen die Streitschlichter, die immer als Zweier-Team ein Gespräch führen, die Konfliktparteien und erklären ihnen das Ziel des Gesprächs. Nicht die Konfliktlotsen schlagen Lösungen vor, sondern sie versuchen, die Streitenden durch das vorgegebene Verfahren dazu zu bringen, selbst Lösungen zu finden. Dazu ist es erforderlich, dass sich die Streitenden mit den von den Konfliktlotsen vorgetragenen Gesprächsregeln einverstanden erklären. Die Konfliktlotsen selbst sind absolut unparteilich, die Verschwiegenheit aller Beteiligten wird vereinbart.

In der zweiten Phase des Gesprächs klären die Streitschlichter die Sichtweise der beiden Konfliktparteien. Mit Methoden des aktiven Zuhörens fassen sie zusammen und achten darauf, dass auch Gefühle und Motive der Streitenden klar werden. In der dritten Phase erhellen die Streitschlichter den Konflikt durch Nachfragen und bemühen sich, Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten herauszuarbeiten um dann zur vierten Phase überzuleiten. Mit Hilfe von Methoden wie dem von den Streitschlichtern angeleiteten Brainstorming sollen die Konfliktparteien nun zu Lösungsvorschlägen gelangen, die dann gemeinsam auf ihre Durchführbarkeit überprüft und in der fünften Phase als Vereinbarung in einem Protokoll festgehalten werden. Dieses Protokoll wird nach der Unterzeichnung von den Streitschlichtern in einem nur ihnen zugänglichen Schrank verwahrt, die Vereinbarung wird evtl. nach einiger Zeit überprüft. Das Gespräch endet dann mit einer versöhnlichen Geste. Es findet übrigens in einem Raum statt, der nur den Streitschlichtern zur Verfügung steht und von ihnen eingerichtet wurde.

Die im Schuljahr 04/05 ausgebildeten Streitschlichter stellten sich am Schuljahresende der Schulfamilie und der Öffentlichkeit vor und erhielten im Rahmen einer kleinen Feierstunde ihr Diplom. Sie werden jetzt zwei Jahre lang tätig sein. Die beiden Ausbilderinnen begleiten die Streitschlichter als Supervisorinnen, nehmen aber nie an Schlichtungsgesprächen teil und haben auch keinen Zugriff auf die Daten der Schlichtungen. In diesem Schuljahr wird ein neuer Jahrgang mit 10 Streitschlichtern aus den 8. Klassen ausgebildet.

Wir danken allen, die uns bisher bei der Durchführung unseres Projekts unterstützt haben und hoffen, unseren Beitrag für ein gutes Lern- und Arbeitsklima an unserer Schule zu leisten.