Brigitte Hilpert ist als Grabungsleiterin aut Spurensuche
HUNAS — Wer das Wort „Paläontologin" liest, fragt sich sicherlich, was das denn eigentlich ist. Brigitte Hilpert ist Grabungsleiterin auf Hu-nas und übt genau diesen Beruf aus. Was die Wissenschaftlerin den lieben langen Tag macht, erklären euch die Schülerinnen Ramona Reif und Tabea Schneider, die mit der Forscherin sprachen.Brigitte Hilpert hat Paläontologie, so nennt man die Wissenschaft von den Lebewesen vergangener Zeiten, studiert. Sie wollte keinen „Schreibtisch-Beruf", sondern draußen in der Natur die Vergangenheit der Erdgeschichte auf eigene Faust erforschen. Wie hat es vor Tausenden oder gar Millionen Jahren auf unserer Erde ausgesehen? Welche Pflan-
zen und Tiere lebten damals? Wo liegen die Wurzeln der Menschheit? Das sind Fragen, die Hilpert keine Ruhe lassen. Das Wissen, das sich Paläontologen erarbeiten, nutzt aber auch für die Zukunft. Man gewinnt zum Beispiel Erkenntnisse bezüglich Umweltveränderungen in der Vergangenheit oder Veränderungen des Klimas.
Tagesablauf in Hunas
Ein gewöhnlicher Arbeitstag bei Grabungsleiterin Hilpert sieht folgendermaßen aus: Normalerweise beginnt der Tag in Hunas mit einer kurzen morgendlichen Besprechung, oft während des Frühstücks, bei der die Aufgaben für den jeweiligen Tag besprochen und verteilt werden.
Üblicherweise macht sich dann ein Teil der Grabungsmannschaft daran, den ihm zugewiesenen Quadratmeter weiter zu graben, während die anderen entweder das gegrabene Sediment schlämmen oder das geschlämmte und getrocknete Sediment sortieren, das heißt es werden die kleinen Knochen und Zähne sowie Holzkohleflitter, Bruchstücke von Schneckenschalen und kleine Fremdgesteine (meist Erz- und Quarzkörnchen) herausgesucht.

2004 haben Wissenschaftler diesen Unterkiefer eines Wolfes in Hunas gefunden.
Von der Skizze bis zum Antrag
Die Mannschaftsstärke hängt von den jährlich zur Verfügung stehenden Geldmitteln ab. Meistens wird täglich von acht bis 17 Uhr gearbeitet. Hilpert hat hierbei als Grabungsleiterin die Aufgabe, ihr Team in die verschiedenen Arbeitsbereiche einzuteilen, die Berichte zu kontrollieren, die Profilzeichnungen anzufertigen und sich um alles Organisatorische zu kümmern - von der Vorbereitung für den Tag des offenen Denkmals bis zum Stellen von Anträgen auf Fördergelder für die Ausgrabung.
Der bisher wichtigste Fund war der Zahn eines Neandertalers. Das ist bisher einzigartig in der nördlichen Frankenalb. Vergleichbare Fundstücke stammen alle aus dem Altmühltal. Für Hilpert persönlich waren jedoch die Zähne und Kno-
chen der Berberaffen - auch bekannt als Makaken - die bisher schönsten Funde. Daneben hat das Team in Hunas rund 140 Tierarten gefunden: Schnecken, Fische, Reptilien, Amphibien, Vögel und Säugetiere.
In Hunas wurden aber nicht nur Skelettreste gefunden, sondern auch zahlreiche Steingeräte der Neandertaler. Diese zeigen uns, dass und wie der Frühmensch hier bei uns gelebt hat. Nach neuesten Erkenntnissen stammen die Erdschichten und damit die Funde aus Hunas aus einer Zeit, die zwischen 80 000 und 40 000 Jahre zurückliegt. Eine Einzigartigkeit, denn in Süddeutschland gibt es keine Höhle mit vergleichbaren Sedimenten und Funden.
Problem Raubgräber
Immer wieder machen Paläontologen Raubgrabungen zu schaffen, also Ausgrabungen, die nicht von autorisierten, ausgebildeten Fachleuten durchgeführt werden. Vermeiden lassen sich diese leider kaum. Einige Höhlen, die archäologisch oder paläontologisch von großer Bedeutung sind, wurden deshalb schon mit Gittern und Türen verschlossen. Weil aber auch das nicht immer hilft, setzt man derzeit verstärkt auf Aufklärung. Denn durch Raubgrabungen gehen der Wissenschaft und auch der Menschheit wichtige Funde für immer verloren.

Paläontologen auf Hunas: Dr. Kerstin Athen und Anja Braun suchen zwischen den Gesteinsbrocken nach Spuren vergangener Zeiten.
Fotos: privat
