Wo steckt die Steinzeit?

HERSBRUCK — Was ist eigentlich heute noch im Frankenland von der Steinzeit übrig? Nichts? Werner Sörgel aus Hartmannshof weiß es besser. Er ist Kreisheimatpfleger und kennt die Gegend wie seine Westentasche - auch was Funde aus der Frühgeschichte anbelangt. Schüler des PPG befragten ihn deshalb zur steinzeitlichen Vergangenheit des Hersbrucker Landes.

Was sind eigentlich Ihre Aufgaben als Kreisheimatpfleger?

Werner Sörgel: Ich berate den Landkreis und das Landesamt für Denkmalpflege. Mein Gebiet sind Bodendenkmale. Ich schaue zum Beispiel auf Baustellen nach, ob Funde beim Ausbaggern auftauchen oder suche auf Äckern nach Spuren aus der Vorgeschichte. Außerdem berate ich das Amt für Fremdenverkehr und Tourismus in Sachen Wandertafeln oder über den archäologischen Wanderweg. Mein zweiter großer Aufgabenbereich ist die Öffentlichkeitsarbeit. Ich mache Führungen, veröffentliche Aufsätze in Fachzeitschriften und schreibe Pressemitteilungen. Ich habe auch schon ein Buch über meine Funde verfasst.

Haben Sie schon so viel gefunden?

Bestimmt tausend Dinge. Allein um Hartmannshof gibt es 600 Fundstellen. Am häufigsten entdeckt man Tonscherben, seltener sind Steinbeile oder Schmuckstücke.

Werner Sörgel

Kreisheimatpfleger Werner Sörgel.

Und was war Ihr schönster Fund?

Ein besonders schöner Fund war ein Grab aus der Glockenbecherzeit rund 2400 vor Christus. In dem Grab befanden sich Gefäße für den Toten. Damals glaubten die Menschen, dass der Tote auch im Jenseits noch etwas zu essen und zu trinken brauchte.; Ein anderer interessanter Fund war ein Steinbeil, das ich in der Nähe von Mittelburg gefunden habe. Das Besondere daran ist, dass es aus einem Material ist, das es nur an der Ostsee gibt. Irgendjemand muss also in der Steinzeit von dort bis hierher gegangen sein. In ganz Bayern gibt es nur drei solche Stücke.

Was passiert mit all Ihren Funden?

Man muss die Funde zum Sprechen bringen. Jeden Fundort trage ich in eine Karte ein. So lässt sich sehen, wo einst überall Menschen gelebt haben. Ich fertige auch Skizzen von den Fundstücken an. Alles muss genau datiert und festgehalten werden. Die schönsten Funde kommen dann ins Museum.

Interview: Sarah Munker, Sabrina Zeltner; Foto: D. Herrmann