Fazit

 

Die Mobilität, die die Stühle „ERGO“ und „BiCOM“ der Firma Löffler ermöglichen, schafft Raum für unterschiedlichste Inszenierungen von Unterricht. Es ließen sich je nach Thema Unterrichtsszenen dramaturgisch gestalten. Lehrer und Schüler waren aufgefordert, ihren Unterricht zu inszenieren. Wie es sich in der Praxis gezeigt hat, boten die Stuhlmodelle die Möglichkeit, von der Raumorganisation des herkömmlichen Unterrichts auszugehen und allmählich den Unterricht zu verändern. Schon bei bekannten Inszenierungsformen, wie Sitzkreis oder Gruppenunterricht wurde für Schüler und Lehrer deutlich, wie praktisch die Stühle sein können. Entscheidend für eine sinnvolle didaktische Ausweitung der gegebenen Mobilität war jedoch die Möglichkeit zu einer gemeinsamen Inszenierungsarbeit von Schülern und Lehrer. Die Mitbeteiligung der Schüler an den Themen einerseits und die didaktische Phantasie des Lehrers andererseits, die Unterrichtsvorhaben „dramaturgisch“ aufzubauen, schaffen die Bedingungen, um Unterricht neu zu definieren. Ein erster Schritt weg von der monotonen Sitzhaltung ist, das Sitzen selbst zum aktiven Prozess zu machen, weg von der durch die herkömmliche Stuhllehne gegebenen Prothese zum Selberhalten des Rückens beim Stuhl BiCOM. Eine noch stärkere Aufforderung zu aktiver Haltearbeit erfordert das Sitzen auf dem labileren ERGO. Die möglichen Uminszenierungen von und im Unterricht, welche von den Schülern unterschiedliche Bewegungsleistungen und Arbeitspositionen verlangen, bedeuten unterschiedliche Belastungen und damit eine variable Beanspruchung des kindlichen Körpers. Darüber hinaus bietet gerade das bewegliche Mobiliar die Möglichkeit, auf die Bedeutung von Haltung- und Bewegungsqualität im Alltag und für die eigene Entwicklung bewusst zu machen. Bei der Einführung der Stühle im Februar kam es in den ersten Tagen des Unterrichts mit den neuen Sitzbedingungen naturgemäß zu einer erhöhten Unruhe. Dies war jedoch eine kurzfristige Angelegenheit, die sich nach einer Gewöhnungsphase legte. Grundsätzlich kam es aber zu keinen nennenswerten Störungen im Unterricht, was alle befragten Kollegen bestätigten. Erstaunlich war auch, dass die Schüler zu keinem Zeitpunkt Klagen in Form von Muskelkater oder Schmerzen in der Rückenmuskulatur vortrugen, obwohl die Art des Sitzens sich von ihrer bisherigen Sitzweise erheblich unterschied. Lediglich die fehlende Möglichkeit zu einer aktiven Entspannungsphase wurde von einigen Schülern bemängelt. Diese mangelnde Entspannungsmöglichkeit war augenscheinlich auch ein Grund, warum vor allem in den letzten Stunden des Unterrichts immer wieder eine erhöhte Unruhe festzustellen war. Dies jedoch in erster Linie an Tagen, an denen die Klasse kaum Fachunterricht in anderen Räumen und den damit verbundenen Wechsel der Sitzgelegenheit hatte. Um Aussagen über Einflüsse des Mobiliars auf die Beteiligung der Schüler am Unterrichtsgeschehen treffen zu können gilt es, verschiedene Gesichtspunkte zu berücksichtigen:

  • Verschiedene Studien belegen, dass ein derartiger Einfluss signifikant nur über einen längeren Untersuchungszeitraum nachgewiesen werden kann. Dieser beträgt  dabei mindestens 3 bis 4 Jahre.
  • Zudem müssten für eine derartige Untersuchung Kontroll- und Vergleichsgruppen gebildet werden.

Beide Voraussetzungen waren bei diesem Unterrichtsprojekt so nicht gegeben. Eine verlässliche Aussage ist in diesem Zusammenhang demzufolge nicht möglich.  In einer Abschlussbefragung am Schuljahresende äußerten sich über 70% der Schüler so, dass sie sich den täglichen Unterricht auf den Stühlen (v.a. dem BiCOM) durchaus auch weiterhin vorstellen könnten.

Etwa 10% der Schüler war es egal und 20% wollten gerne zum alten Mobiliar zurück kehren (v.a. „ ... weil wir uns da auch mal wieder lümmeln können“).

 
 

Krapf, 04.10.2007