Ausgangslage und Projektinteresse

Der Wandel kindlicher Lebenswelt wird vielfach dafür verantwortlich gemacht, dass Kinder sich heute weniger bewegen, ungeschickter sind, weniger Kraft und eine schlechte Bewegungsausdauer besitzen (vgl. ZINNECKER 1990). 

 
            
 
Die Folge sind Gefährdungen und Beeinträchtigungen des Halteapparates, des Kreislaufs, des Körpergewichts und der Bewegungskoordination. Je nach Untersuchung lassen sich für die einzelnen Bereiche zwischen 20 und 40% gesundheitlich beeinträchtigte Kinder ausmachen (vgl. BÖS 1997 und OBST/BÖS 1998). Nun wäre es verkürzt, hierfür allein einen vermuteten Bewegungsmangel verantwortlich zu machen. Die veränderte Lebenswelt von Kindern, die vor allem mit dem Verweis auf Massenkonsum, Verhäuslichung, Medienorientierung, Aufhebung tradierter Sozialstrukturen und mehr pädagogischen Räumen beschrieben wird, ist als komplexe Erscheinung zu interpretieren, deren Folgen nicht allein auf Bewegungsmangel zurückzuführen sind. Hier ist die Forschungslage noch sehr uneindeutig. Weisen einige Untersuchungen deutlich auf Verschlechterungen des motorischen Leistungsvermögens innerhalb der letzten 15 bis 20 Jahre bei Kindern hin, so zeigen neuere Untersuchungen, dass sich das motorische Leistungsvermögen gar nicht oder nur in einigen Bereichen verändert hat. Wohl aber haben sich die Bewegungsgewohnheiten, vor allem im Aktivitätsspektrum und im zeitlichen Umfang verändert.
Zwei gegenläufige Trends sind derzeit festzustellen: 
 
 
  
  
 
Bedeutsam ist daran, dass ein größerer Teil der Bewegungsaktivitäten in den institutionalisierten Räumen der Schule und anderen Organisationen (wie z.B. Jugendhäuser, Jugendgruppen) stattfindet. Daher steigt die Verantwortung der Institutionen, insbesondere der Schule, für einen angemessenen Umfang und eine ausreichende Qualität der Bewegungsaktivitäten zu sorgen. Das Projekt „aktiv-dynamisches Sitzen im Klassenzimmer“ am Paul-Pinzing-Gymnasium Hersbruck wollte über das Angebot eines bewegungs-anregenden Sitzmobiliars sowie über die Schaffung weiterer Bewegungsanlässe einen Beitrag zur Verbesserung der kindlichen Bewegungskompetenz leisten. Daher verfolgte das Projekt im Hinblick auf den Bewegungsaspekt eine Doppelfunktion: Zum einen ist Bewegung selbst das Ziel, indem es auf eine Verbesserung der Bewegungskompetenz ankommt und zum anderen ist Bewegung das Medium, über das die Auseinandersetzung mit Welt geschieht. Als Laufzeit für das Projekt wurde die Zeit vom Zwischenzeugnis bis zum Jahreszeugnis 2006 gewählt, also ein Zeitraum von knapp sechs Monaten.
 
Krapf, 03.10.2007