Mit der Einführung des 8-jährigen Gymnasiums ab dem Schuljahr 2004/2005 und dem damit verbundenen Anspruch die Qualität des Bildungsniveaus am Gymnasium zu erhalten, müssen auch im Hinblick auf die körperliche und gesundheitliche Entwicklung unserer Schüler neue Wege beschritten werden. Unter dem Aspekt eines ganzheitlichen Gesundheitsansatzes und unter der Berücksichtigung von Bewegung und Sport als Grundlage für optimales Lernen planen wir die Entwicklung eines zeitgemäßen Bewegungskonzeptes für Gymnasien in Bayern.
Orientierte sich die bisherige Praxis des Sportunterrichts trotz aller thematischen Vielfalt der neueren Lehrpläne doch häufig nach wie vor an den Fertigkeiten und Fähigkeiten, die den außerschulischen Wettkampfsport abzubilden suchen (bewertbare Technik und messbare Leistungen), so muss der Stellenwert dieser Auffassung von Schulsport für das G8 kritisch überprüft werden. An einem ausgebauten 8-jährigen Gymnasium werden angesichts von dessen organisatorischen und zeitlichen Rahmenbedingungen andere Zielsetzungen im Mittelpunkt stehen: Die Vermittlung von Kompetenzen und Qualifikationen, die Schülerinnen und Schüler (aber auch Lehrerinnen und Lehrer) in die Lage versetzen, in Gegenwart und Zukunft Mitverantwortung für ihre Gesundheit zu übernehmen. Bewegung und Körperbewusstsein können entscheidend dazu beitragen.
Die neuen Möglichkeiten und Perspektiven des 8-jährigen Gymnasiums - Nachmittagsunterricht, klassenübergreifende Organisationsformen, Flexibilität des Zeitrahmens - könnten konstruktiv dafür genutzt werden, ein Konzept für ein gesundheitsförderliches und bewegungsfreundliches Profil für bayerische Gymnasien zu entwickeln. Wenn dies gelingt, kann das Programm „Gesundes G8“ zu einer derzeit sehr wohl benötigten positiven Öffentlichkeitsarbeit der Schul- und Bildungspolitik beitragen.
Ausgangspunkt der Entwicklung eines solchen Konzepts sind folgende Fragen:
Wie bekommen wir Bewegung in eine Schule, die
- den gesundheitlichen Anforderungen,
- den motorischen Entwicklungsbedürfnissen und
- den pädagogischen Ansprüchen
der Schülerinnen und Schüler gerecht wird, die ihre Wurzeln im Sportunterricht hat, diesen aber gleichzeitig erweitert, ergänzt und überschreitet.
Die Idee besteht darin, gewissermaßen einen „heimlichen Lehrplan für Bewegung“ mit allen seinen Vorteilen für den Bildungs- und Erziehungsauftrag an der Schule entstehen zu lassen. „Heimlich“ deshalb, weil das „Gymnasium in Bewegung“ ohne sichtbare und explizite Verankerung im Stundenplan wirksam werden und trotzdem das Profil der Schule prägen soll. Bewegungsgelegenheiten in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen wären im Schulalltag eine gesundheitserhaltende Intensivierungsmaßnahme für den Lernerfolg der Schüler - ohne zusätzliche Intensivierungsstunden aber für die Intensivierungsstunden.
Dadurch soll und darf der Sportunterricht selbstverständlich nicht abgelöst oder ersetzt werden. Er muss - mindestens 3-stündig - die Mitte und der Ausgangspunkt aller weiteren Bewegungsangebote bleiben, um sie vorzubereiten und für deren sinnvolle Nutzung zu qualifizieren. Menschliche Bewegung kann jedoch nicht nur Fach- oder Pflichtveranstaltung sein, sie ist vielmehr Grundlage menschlicher Entwicklung schlechthin. Eine ganzheitliche Entwicklung unserer Schüler zu gewährleisten bedeutet also: Bewegung ist unverzichtbar für Lernen, Leben und Gesundheit. Sie muss hineinwirken in den gesamten Schulalltag der Kinder, gerade an einem 8-jährigen Gymnasium.
Nach ersten Überlegungen könnte die schematische Darstellung einer Bewegungskultur am 8-jährigen Gymnasium wie folgt aussehen:

Der innere Kreis ist der in der Stundentafel des G8 verankerte Sportunterricht. Die daraus folgenden äußeren Kreise tragen zum „Bewegungsprofil der Schule“ bei und müssen erprobt und evaluiert werden. Unser Ziel ist es, Verhaltensweisen und Einstellungen zu generieren und Möglichkeitsräume zu schaffen, die das Schulleben und darüber hinaus die gesamte Lebenswelt der Menschen an der Schule im Sinne der Erhaltung von Gesundheit (Antonovsky) nachhaltig beeinflussen.
Kr 02.09.2004
