Geschichten 2 (6. Klasse)

Oskar und die steinzeitliche Bedrohung

 

"Komm jetzt endlich!", drängte Oskars Mutter. "Ja, ja", erwiderte Oskar genervt. Seine Eltern und er gingen wieder einmal ins Germanische Nationalmuseum. "Aber kann ich nicht zu Hau...", setzte Oskar an, doch sein Vater ließ ihn nicht ausreden: "Nein, kannst du nicht. Außerdem ist heute die Eröffnung der neuen Steinzeitausstellung." Gegen seinen Willen musste Oskar dann schließlich doch mit.

Im Nationalmuseum angekommen, liefen sie schnurstracks zum Urzeitkorridor. Oskar und seine Eltern schlossen sich der Führung an und folgten dem Museumsangestellten. Als sie an einer kleinen Glasvitrine vorbeikamen, erklärte der Führer: "Dieses Amulett soll der Inschrift zufolge angeblich magische Kräfte besitzen. Natürlich ausgemachter Blödsinn. - Ja, Madame?" "Aus welcher Zeit stammt denn dieses Amulett?", fragte eine Frau und deutete auf das seltsam verzierte Kettchen mit dem hölzernen Anhänger in der Form eines rätselhaften Symbols. Der Mann zögerte: "Nun ja, das konnten wir noch nicht feststellen. Also, wenn sie mir jetzt bitte folgen würden!" Die Gruppe ging weiter, doch Oskar blieb stehen. Fasziniert starrte er auf das merkwürdige Amulett. Plötzlich begann die steinzeitliche Kette zu leuchten und ein Rauschen ertönte. Dann schoss ein gleißender Strahl auf Oskar und mit einem Flopp war der Junge verschwunden.

Als Oskar erwachte, hatte er keine Ahnung, wo er war. Was war geschehen? Oskar blickte sich verwirrt um. Er stand vor einer dunklen, riesigen Höhle, deren Eingang sich am Fuße eines gigantischen Berges befand. Um den Berg herum stand, so weit Oskar das erkennen konnte, ein grüner Wald, dessen Bäume im Wind knarrten. Wie war er hierher gekommen? -Und dann erinnerte er sich. Er war mit seinen Eltern im Museum gewesen und dann waren sie zu diesem Amulett gegangen. Das Amulett hatte ihn hierher gebracht. Oskar schaute zum Eingang der Höhle. "Soll ich hineingehen", dachte er. Oskar verspürte zwar Angst, aber die Neugier war stärker. Irgendetwas musste er ja tun. Also lief er los. "Gut, dass ich meine Taschenlampe dabeihabe", überlegte Oskar. Er zog sie aus seinem Rucksack, den er, Gott sei Dank, auf seiner Reise zu diesem Ort nicht verloren hatte. Er schaltete die Taschenlampe ein und betrat die Höhle. Oskar war schon einige Minuten gegangen, als er unerwartet Stimmen hinter sich hörte. Nichts Gutes ahnend drehte er sich um. Dort standen drei stämmige Männer mit spitzen Speeren bewaffnet. Sie trugen schmutzige Bärenfelle, die sie um ihre kantigen Körper geschlungen hatten. "Steinzeitmenschen!", fuhr es Oskar durch den Kopf. Einer der Männer murmelte dem anderen etwas in einer unverständlichen Sprache zu und deutete verängstigt auf Oskars Taschenlampe. Der am schwersten Bewaffnete, wahrscheinlich der Anführer, ging auf Oskar zu. Der Junge wollte weglaufen, aber seine Beine gehorchten ihm nicht. Der Steinzeitmensch blieb vor ihm stehen und fiel auf die Knie. "Uga Buga, umba om?", sagte der Mann und sah ihn fragend an. Oskar hatte nicht den geringsten Schimmer, was das bedeuten sollte. Also nickte er einfach. Was hätte er auch tun sollen? Der Anführer, Oskar war sich jetzt sicher, dass der Mann vor ihm diesen Status hatte, war außer sich vor Freude und schob Oskar mit sanfter Gewalt zu den anderen, die ihn in ihrer Sprache begrüßten, zumindest glaubte er das. Die Männer führten ihn aus der Höhle und gingen mit ihm zu einem anderen Berg. Oskar fragte sich schon die ganze Zeit über, was diese Steinzeitmenschen von ihm wollten und warum sie ihn solche Ehrfurcht entgegenbrachten. Er vermutete, dass sie dachten, er sei eine Art Magier, da sie ihn vorhin mit der Taschenlampe in der Hand gesehen hatten. Das war für die Steinzeitmenschen bestimmt ein großes Wunder. All diese Gedanken schwirrten ihm durch den Kopf, als sie endlich die Spitze des Berges erreicht hatten und der Mund klappte ihm auf. Oskar musste feststellen, dass es gar kein Berg war. Er stand am Krater eines riesigen Vulkans. Und was am schlimmsten war, der Vulkan war aktiv. Kochendheiße Lava schwappte gegen die Wände des Kraters. Der Anführer wandte sich Oskar zu und sprach: "Tu mumba agam magamwu... ", doch er wurde von einem markerschütternden Gebrüll unterbrochen. Alle vier wirbelten herum. Dort über dem Vulkan flog ein angsteinflößendes Geschöpf. Es war ein gigantischer Wolf, so groß wie ein Hausdach, mit riesigen, ledrigen Flügeln. Aus seinem Unterkiefer sprossen die kolossalen Stoßzähne eines Mammuts. Ängstlich wichen die Steinzeitmenschen zurück und schoben Oskar vor sich. Das war also seine Aufgabe. Er sollte dieses monströse Viech besiegen. Wie? Die Kreatur schoss auf Oskar zu. Im letzten Moment warf er sich zur Seite und blickte sich nach den drei Männern um. Die hatten sie hinter einem großem Felsbrocken versteckt, und er durfte sich mit diesem Ding herumschlagen. Schnell rappelte er sich auf und kramte in seinem Rucksack nach etwas Brauchbarem, doch dazu ließ ihm der Horrorwolf keine Zeit. Er sauste auf ihn zu. Zu spät bemerkte es Oskar. Er blickte auf und sah das Geschöpf nur wenige Meter vor sich. Pfeilschnell hechtete er hinter den Felsbrocken, doch die langen Stoßzähne des Etwas rissen ihm die Schulter auf. Der Schmerz überwältigte ihn fast. Was sollte er tun? Es gab kein Entkommen mehr. Oskar saß hinter dem Felsen und wartete darauf, dass ihn der Wolf in Stücke riss. Einer der Männer ging zu ihm hinüber und reichte ihm seinen Bogen und seine Pfeile. "Ogamm uf!", sagte er, was wohl so etwas heißen sollte wie: Du schaffst es! Dankend nahm er ihn an und stand stöhnend auf. Dann packte er aus seinem Rucksack ein Feuerzeug und zündete die Spitze eines Pfeiles an. Oskar legte ihn ein und sprang hinter dem Felsbrocken hervor. Sofort sauste der fliegende Wolf auf ihn zu, doch Oskar feuerte den brennenden Pfeil auf das Geschöpf. Daneben! Er warf sich auf den Boden, der Wolf verfehlte ihn um Haaresbreite. Auf der Stelle nahm er sein Feuerzeug und entzündete den nächsten Pfeil. Das Tier stieß einen wütenden Kampfschrei aus, rammte seine Stoßzähne in einen gigantischen Felsbrocken, stieg mit ihm in die Lüfte, als wäre er eine Feder und schleuderte ihn auf Oskar. Doch dieser machte einen Purzelbaum, um dem Stein zu entgehen. Krachend schlug der Felsen auf dem Boden auf. Oskar legte den neuen, brennenden Pfeil ein und schoss sofort. Treffer! Das Geschöpf stieß einen Schmerzensschrei aus. Der Flügel fing Feuer. Mit einer Art Wimmern stürzte der Wolf in die brodelnde Lava. Oskar fiel vollkommen geschwächt zu Boden und blieb reglos liegen. Als er wieder erwachte, wurde er sogleich von den drei Steinzeitmännern gefeiert. Sie lachten und hüpften herum wie kleine Kinder. Dann ging der Anführer zu Oskar und legte ihm ein Amulett um. Er erkannte es wieder. Es war das Kettchen, das ihn hierher gebracht hatte. Urplötzlich begann das Amulett zu leuchten und Oskar war verschwunden.

Er sah seine Eltern, die über ihn gebeugt da standen. Oskar war wieder in seiner Zeit. Der Junge rappelte sich auf und fiel seinen Eltern um den Hals. "Was ist denn passiert? Wir haben uns große Sorgen um dich gemacht", fragte seine Mutter. Und Oskar dachte: "Nicht ohne Grund."

Kevin Reichel 6b (Schuljahr 2004/5)

 

Oskar und das Geheimnis der Münze

 

Die Sonne bahnte sich einen Weg durch die Regenwolken Griechenlands und blendete mich mit ihren ersten Sonnenstrahlen. "Oskar! Jetzt komm doch endlich runter! Wir wollen doch heute ins Museum fahren!", rief meine Mutter in mein Hotelzimmer mit lauter Stimme. "Ich komme!", antwortete ich ihr."Ins Museum. Ich versteh eh kein Wort, was der Fremdenführer da sagt. Ich kann kein Griechisch! Warum mussten wir denn unbedingt nach Griechenland fahren? Spanien war mir viel lieber", murmelte ich zornig. Im Museum sprach natürlich, wie erwartet, der Fremdenführer nur Griechisch und Französisch. Wer kann schon Französisch? Um mich selbst zu beschäftigen, ging ich durch das Museum und entdeckte die Münzen der alten Griechen. Beim Weitergehen stieß ich plötzlich gegen eine Glasvitrine, in der eine Münze lag. Die ganze Vitrine krachte auf den Boden und das Glas zersplitterte. Bevor ich überhaupt richtig begriff, was passiert war, sah ich die Münze zwischen den Scherben liegen. "Soll ich sie liegen lassen oder aufheben und wieder hineinlegen? Oder soll ich sie vielleicht mitnehmen?", schoss es mir durch den Kopf. Nach langem Warten konnte ich meine Gier nicht bezwingen. Ich nahm die Münze und steckte sie ein. In unserer Herberge ging ich in mein Zimmer und schaute die Münze genau an. Es war ein Kreis und ein Stern auf der einen Seite zu sehen und auf der anderen Seite ein Mann. "Ist wahrscheinlich der Kaiser", dachte ich mir. Ich strich über die Linien des Kreises und des Sterns. Plötzlich leuchteten sie auf und Rauch kam aus der Münze. Ich wollte wegschauen, doch eine innere Macht zwang mich es anzublicken. Der Rauch hatte schon das ganze Zimmer eingenebelt. Das Leuchten wurde immer stärker. So stark, dass ich nichts mehr sehen konnte.

Ich blinzelte und schaute auf. Ich lag auf einer Wiese. Als ich mich reckte und streckte, fiel mir etwas Schreckliches auf. Ich stand nicht auf einen Acker oder etwas ähnlichem. Nein! Es war ein Schlachtfeld! Tausende von Toten lagen auf der Wiese, auf der ich stand. "Wo bin ich hier? Eine Katastrophe!", dachte ich laut. Als ich mich einigermaßen von dem Schreck erholt hatte, fasste ich mir an das Bein, das mir schmerzte. "Was hab ich nur in der Hosentasche?" Als ich die Hosentasche durchsucht hatte, hielt ich eine Münze in der Hand. Und da fiel mir alles wieder ein. Das Museum, die Münze. Aber warum war ich hier? Mir kam die Umgebung so fremd vor. Ich wollte einige Schritte gehen, als plötzlich jemand mich von hinten an der Schulter packte und umdrehte. "Noch ein Verräter. Mitkommen!", schrie mich ein mit Speer, Schild und einem in der Scheide steckendem Schwert bewaffneter Soldat an. "Schwerter?", dachte ich mir, "das gibst doch gar nicht mehr." Doch dann wurde mir einiges klar. Ich war in der Vergangenheit. Der Soldat riss mich völlig aus den Gedanken, er brüllte auf mich ein und fügte mir mit seinem Schwert eine tiefe Schnittwunde am Arm zu. Voller Schmerzen fasste ich mir an den Arm, der schon voller Blut war, aber der Soldat zerrte mich mit. Nach wenigen Minuten harten Fußmarsches war ich völlig außer Atem, denn der Soldat machte ziemlich große Schritte, bei denen ich kaum mithalten konnte. Wir waren in einem riesengroßen Zeltlager, mindestens so groß wir drei Fußballfelder. Es liefen mehrere Tausend Soldaten herum. Jeder zweite trug einen Bogen mit Pfeilen in einem Köcher. Sie schleppten mich in ein Zelt und warfen mich mit gebundenen Händen und Füßen in die Ecke. Neben mir lag ein Junge, der ebenfalls Verletzungen hatte. "Wie heißt du?", fragte er. "Oskar", antwortete ich ihm. "Warum bist du hier?", wollte er wissen. "Ich weiß nicht, sie fielen einfach über mich her. Ach übrigens, wie heißt denn du?" "Ich bin Ludwig. König Xerxes will mich morgen hinrichten lassen und dich wahrscheinlich mit." Erschrocken drehte ich mich zum Wärter, der ein schiefes Grinsen aufsetzte. "Soll das meine letzte Nacht sein? Soll das schon das Ende meines kurzen, nur zwölf Jahre dauernden Lebens sein?", schoss es mir durch den Kopf. Ich hielt noch immer diese Münze in der Hand. "Was hast du denn da?", fragte Ludwig. "Eine Münze", antwortete ich ihm. "Echt? Lass mal sehen!" Ich gab ihm die Münze hinterdem Rücken, damit der Wärter es nicht sieht. Er schaute die Münze an und blickte erstaunt zu mir herüber. "Du hast die Münze von Xerxes! Er braucht diese Münze. Es ist sein Ein und Alles und er sucht schon seit Jahren danach", flüsterte Ludwig. Ich schaute ihn nur erstaunt an. In der Nacht weckte mich Ludwig. "Hey, wach auf!" Langsam öffnete ich die Augen und fragte: "Was ist de...?" "Psst, der Wärter schläft! Ich habe in der Tasche ein Messer. Du kommst gut ran, los, hol es!" Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich griff in die Tasche und tatsächlich, da war ein Messer und schon nach kurzer Zeit waren wir unsere Fesseln los. "Los, komm! Lass uns abhauen!", rief ich. "Nicht so hastig, wo wollt ihr denn hin?" Vor uns stand der Wärter mit seinem schiefen Grinsen. Doch als er uns ergreifen wollte, stieß ihm Ludwig sein Messer mitten in seinen fetten Wanst. Ich wich erschrocken zurück. Der Wärter sank tot zusammen. "Schnell, lauf!", schrie Ludwig. Einige Soldaten hatten unseren Fluchtversuch bemerkt. Bogenschützen schössen Pfeile nach uns. Auf einmal fiel mir ein, wie ich hergekommen war. Mit dieser Münze, die Linien, das Licht und der Rauch. Sofort berührte ich die Linien der Münze. Als letztes sah ich nur noch, wie Ludwig von Pfeilen durchbohrt zu Boden sank.

Ein Klopfen weckte mich aus meinem Tiefschlaf und Mutter kam herein. "Oskar, steh jetzt endlich auf! Ich habe dich schon dreimal gerufen. Komm jetzt!" Beim Frühstück schmerzte mein Bein. "Was habe ich nur in der Tasche", sagte ich mir. Als ich meine Hosentasche durchwühlte, hatte ich die Münze in der Hand. Da kamen meine Erinnerungen wieder. Lud­wig, die Soldaten, Xerxes, die Perser und die Schnittwunde, die mir der Soldat zugefügt hatte. Doch als ich mir an den Arm fasste, war keine Narbe zu spüren. Kurz vor der Abreise vergrub ich die Münze, und ich habe sie nie wieder gesehen.

Jan Heidner, 6b (Schuljahr 2004/5)