Das Rad der Zeit
Vorsichtig bog ich die Dornenbuschzweige zur Seite. „Mist!", dachte ich. Noch nie hatte ich mich in unserem Wald verlaufen. Eigentlich durfte ich ja sowieso nicht allein gehen, aber heute... Meine Augen wanderten nach oben. Dunkle Wolken und leises Donnergrollen kündigten ein starkes Gewitter an. Der Wald schien düster und kalt. „Genau wie ich vermutet habe...", murmelte ich leise. Irgendetwas hatte mich in den Wald getrieben. Ein merkwürdiges, unbekanntes Gefühl, das sich mit einer Mischung aus Schulaufgabenangst und Zwei-Minuten-vor-Silvester-Kribbeln beschreiben lässt. Ich hatte keine Erklärung dafür.
„Was ist das?" Überrascht trat ich einen Schritt zurück, direkt in eine Pfütze. Ihhh! Wasser drang durch meine Schuhe. Aber ich achtete kaum darauf, sondern starrte auf den Boden. Vor mir war genau der Anfang einer Straße. Aber sah die komisch aus! Sie bestand aus großen – und das überraschte mich sehr – goldenen Pflastersteinen. „Mein Gott! Das gibt’s ja gar nicht!", stieß ich fasziniert hervor. Ich sah mich vorsichtig um. Niemand war in der Nähe. Langsam und tastend stieg ich auf die Steine, in der Angst, sie könnte sich wieder auflösen und alles wäre nur ein Traum gewesen. Doch die Straße war immer noch da. Behutsam ging ich los. Ich dachte gar nicht erst nach, denn mein Kopf schien leer. Einige Zeit lief ich durch den Wald, doch dann lag eine riesige Lichtung vor mir, und die Pflastersteine hoben sich in die Luft!
„Wohin führt der Weg? - Was kann ich schon verlieren?", überlegte ich. Wagemutig stieg ich auf den ersten Stein. Meine Neugier hatte sich verstärkt, und ich hatte das Gefühl etwas Großartiges entdeckt zu haben, ich musste einfach wissen, was das alles zu bedeuten hatte.
Die Pflastersteine fügten sich nun nicht mehr zu einer Straße, sondern flogen einzeln in der Luft. Ich stieg höher und höher, bis zu den Wolken. Von dem Gewitter war nichts mehr zu sehen, aber die Wolken waren so dicht, dass ich die Steine nur noch ertasten konnte. Die Nässe verfing sich in meinen Haaren. Ich zitterte. Langsam lichtete sich mein Blick, und vor mir lag eine große Wüste mit gelbem Sand. „Phuuhuuu!", dachte ich begeistert, „endlich passiert mal was in den langweiligen Osterferien!" Doch ich bemerkte noch viel mehr. Fast direkt vor dem Ende der Straße stand ein Baum. Er sah aus, als ob jemand mit der Kettensäge ein paarmal durchgefahren wäre, denn die einzelnen Teile waren getrennt, fügten sich aber, ähnlich den Pflastersteinen, zu einem ganzen Stück zusammen. Im Hintergrund schwebten auch zweigeteilte Berge und Felsen. Ich rang um Atem. Als ich endlich wieder Luft bekam, bemerkte ich die Uhren. Auf dem Baum hing eine Uhr, vor mir eine Uhr, unter mir... Alle waren mehr oder weniger kaputt, die meisten wie ein Schlauchboot, aus dem man die Luft abgelassen hatte. Erschrocken schüttelte ich den Kopf. „Oh, mein Gott!", dachte ich, „wo bin ich nur?!"
Eine sanfte Stimme ertönte. „Du bist im Traumland, Darice, und wir brauchen deine Hilfe!" Im Sand vor mir sah ich eine Art Halluzination, einen Fisch, der manchmal flackerte und verschwand, dann aber wieder auftauchte. Ich versuchte die Nerven zu behalten. „In welcher Weise?", fragte ich stockend den Fisch. „Das Rad der Zeit wurde von einem bösen Gedanken bis zum Rande des Meeres verschleppt. Wir sind nur virtuelle Lebewesen und können unseren Traum nicht verlassen. Und aus diesem Grund bist du hier. Bitte bringe uns das Rad der Zeit in den Ursprungstraum zurück, sonst wird niemals wieder ein Mensch träumen können!"
Der Fisch schluchzte auf. „Äh..., und wo ist das Meer?"gab ich zurück. „Dort hinten! Das Weiße hinter dem großen Felsen. Bitte beeile dich und sei vorsichtig, die bösen Gedanken sind überall." Dann verschwand der Fisch endgültig. „Ich muss es tun!", redete ich leise auf mich ein und setzte vorsichtig einen Fuß in den heißen Sand. „Böse Gedanken?" Ich seufzte. Worauf hatte ich mich da eingelassen? "Los!", forderte ich mich selbst auf.
Erst als ich ziemlich lange gerannt war, wagte ich mich umzudrehen. Es versetzte mir einen großen Schock! Ich war kein Stück weitergekommen. Es war, als ob ich nur auf der Stelle gelaufen wäre.
„Was jetzt?" denke ich verzweifelt. Plötzlich schießen riesige Dornen an mir vorbei Richtung Meer. „Ich muss einen zu fassen kriegen!", rufe ich. Meine Arme fühlen sich schwer an. Auf einmal wird mir bewusst, dass das alles nicht real ist, nicht real sein kann. Ich träume! „Nicht aufwachen!", schreie ich entsetzt, „noch nicht!" Ich bekomme einen Dorn zu fassen, und er reißt mich mit sich fort. Das Meer, das schneeweiß in meinen Augen blendet, ist gar nicht mehr weit. Auf einmal sehe ich etwas Schwarzes unter mir. Es sieht aus wie ein riesiges Zahnrad. „Das Rad der Zeit!", schießt es mir durch den Kopf. Ich versuche loszulassen, aber es geht nicht! Ich spüre mein Bett. „Nein! Bitte nur noch einen Augenblick! Ich möchte wieder träumen...„ Mit einem Ruck kann ich loslassen. Genau vor dem Rad der Zeit komme ich auf die Füße. Es zuckt und sieht verletzt aus. Die einzelnen Kerben sind verschrammt. Vorsichtig streichle ich es, und das Zucken hört auf. Ich hebe es hoch. Der heiße Sand hat es fast ein wenig schmelzen lassen. „Wie komme ich nun zurück?", denke ich. Doch das Laufen geht auf einmal ganz einfach. Der Weg ist gar nicht weit! Schon sehe ich den geteilten Baum. Keuchend falle ich auf die Pflastersteine. Was nun? Plötzlich schwebt über den Steinen eine seltsame Gestalt. „Der Operator ist da! Der Operator..." Die laute, schrille Stimme dröhnt in meinen Ohren. Das komische Wesen wächst und wächst... „Das Rad der Zeit!" Ich lasse es los und es beginnt zu glühen. Alle Uhren beginnen zu schweben. Ein grausamer Schrei ertönt. Ich werde durchgeschüttelt und die Stimme beginnt in meinem Kopf zu vibrieren. „Jaaah!" Ich falle und falle und ...
„Sag mal, was ist denn los? Du schreist ja wie wahnsinnig!", hörte ich die Stimme meines Bruders. Erschrocken fuhr ich hoch. "Wo...", wollte ich fragen, doch da erkannte ich mein Zimmer. Ich ließ mich erleichtert zurückfallen und starrte an die Decke. Die Punkte liefen zu einem Bild zusammen. Ein Fisch? Er zwinkerte mir zu. „Das war doch ein Traum?", dachte ich. Der Fisch verschwand. Ich musste lachen.
Oder?
Janina Müller (7c)
Die neuen Abenteuer des Don Quijote
Längst gehört die Ritterzeit der Vergangenheit an, als Cervantes Don Quijote, den Möchte-gernritter, auf Abenteuerfahrt schickt.
Die Lektüre zahlreicher Ritterromane hat Don Quijote so den Kopf verdreht, dass er den edlen Helden nacheifern will. So zieht er in der eisernen Rüstung seines Urgroßvaters auf seinem klapprigen Ross Rosinante los. Auf seiner Fahrt kann es dann schon einmal vorkom-men, dass ihm eine billige Kneipe wie eine feine Burg, ein paar Windmühlen wie Riesen oder eine Hammelherde wie ein feindliches Heer erscheint. Als Knappe begleitet ihn sein Nachbar Sancho Pansa, ein Bauer, der ebenso dick wie dumm ist.
Bei weitem nicht alle Taten Don Quijotes waren bis heute bekannt. So lauert zum Beispiel in einem Dorf nahe der Stadt Sevilla ein merkwürdiges Abenteuer auf ihn.
Die Tauben
Don Quijote und Sancho Pansa ritten durch die Nacht auf der Suche nach einer Gaststätte als Schlafplatz. Den ganzen Tag waren sie schon unterwegs, und alles tat ihnen weh. Der kleine Dicke jammerte die ganze Zeit, doch Don Quijote biss die Zähne zusammen, denn echte Rit-ter sind hart im Nehmen. Erschöpft erreichten sie endlich ein kleines Dorf und bekamen noch eine Bleibe.
Am nächsten Tag beschlossen die zwei, sich das Dorf näher anzusehen. Don Quijote natürlich in seiner Ritterrüstung, die mit jedem Schritt klapperte und viele Blicke auf sich zog. Es war ein recht schönes Dorf, aber dafür hatten die beiden keine Augen. Der alte Ritter und der dicke Bauer schlenderten durch die Straßen. Sie hatten nun den Marktplatz erreicht und hun-derte von Tauben saßen auf den Dächern, auf den Ständen und auf dem großen Brunnen in der Mitte des Platzes. „Oh! Sieh nur! Lauter kleine Drachen!", schrie der Ritter. „Aber nicht doch, Herr! Das sind doch nur Tauben, zwar viele davon, aber es sind Tauben!", erwiderte Sancho Pansa. „Nein, nein. Schau genauer hin. Kleine gefährliche Drachen bedrohen das Dorf! Wir müssen es retten!" Sancho Pansa war noch zu müde für eine derartige Diskussion, ob das nun Drachen oder Tauben seien. „Ich muss Rosinante holen, und meine Lanze. - Stell dir nur vor, welche Belohnung wir kriegen werden. Wahrscheinlich ein Schloss, oder gar eine eigene Stadt!"
Ja, das hatte genügt, den Bauern zu überzeugen, dass sie es wenigstens versuchen sollten. Schnell holten sie das Pferd und die Waffe und planten das Vorgehen genau: „Als erstes nehme ich mir den Anführer der Drachen vor, das ist meist der größte und stärkste und ge-fährlichste...weil, du musst wissen, wenn die Viecher noch so jung sind wie diese da, sind sie noch ganz schön flink. Na, auf jeden Fall schlage ich mich nach Westen durch, dann kommen die restlichen Drachen, um ihren Artgenossen zu helfen...und dann, dann werden wir sie in die Flucht schlagen!"
Schnellstens ritten beide zurück zum Markt. Triumphierend hob Don Quijote die Lanze und rief den Leuten auf dem Platz zu: „Eure Gebete wurden erhört, das Unglück wird ein Ende nehmen, und zwar im Namen von Dulzinea von Toboso!" Schon galoppierte er los, sprang über Kisten mit Karotten, warf Stände um - was er natürlich nicht merkte -, und schlug immer und immer wieder nach den Tauben, die aber sofort aufschreckten und davonflogen. Da sah er plötzlich eine recht fette Taube. „Ha! Hab ich dich! Ich habe den Drachenkönig gefunden und werde ihn besiegen!" Doch auch dem vermeintlichen Drachenkönig gelang die Flucht. So galoppierte Don Quijote kreuz und quer über den Platz und verwüstete alles. Stände waren in sich zusammengefallen, Obst kullerte über den Boden und die Bewohner kreischten und schrien durcheinander. Der alte Mann bekam davon nichts mit. „Im Namen von Dulzinea von Toboso, bleibe stehen und kämpfe, wie es sich gehört!", rief er gelegentlich einer Taube zu. Schließlich verstummte sein Geschrei. Etwas hatte ihn am Kopf getroffen. Ein Bauer hatte einen Krug nach ihm geworfen. „Schau nur, was du angerichtet hast, du Narr!", schimpfte er. Verständnislos blickte Don Quijote sich um. Und als die Leute dann auch noch die Fäuste hoben und riefen: „Auf ihn! Schlagt ihn nieder!", ergriffen er und Sancho Pansa die Flucht.
Da wunderte sich Don Quijote, denn er wollte doch nur helfen: „Dieses undankbare Gesin-del!", fluchte er, als er und Sancho Pansa längst wieder auf der Landstraße nebeneinander herritten.
Sarah Wood (7c)
Schließlich kann die Polizei seinem Treiben nicht länger zusehen und will ihn verhaften. Nur dem Pfarrer und dem Barbier, seinen Freunden aus seinem Heimatdorf, hat er es zu verdan-ken, dass die Haftstrafe in Hausarrest unter Aufsicht des Pfarrers umgewandelt wird. Don Quijote drängt es jedoch nach weiteren Abenteuern, und schließlich gelingt es ihm, seiner Aufsicht zu entkommen.
Die Prinzessin
„Jetzt sitze ich hier seit drei Monaten im Gefängnis", dachte Don Quijote. Dabei saß er immer noch in dem verschlossenem Studierzimmer im Haus des Pfarrers. „Ich muss doch meinen Pflichten als Ritter folgen", fuhr er fort, „und Prinzessinnen befreien. Das kann ich aber nicht hier. Wenn ich nur den Wärter überlisten könnte." Er grübelte lange nach, bis er endlich die passende Lösung hatte. - Als der Pfarrer ihm wieder einmal seine Mahlzeit bringen wollte, versteckte sich Don Quijote hinter der Tür. Der Pfarrer betrat das Zimmer , und Don Quijote stürzte los: „Nimm das, du dicker Kerl!" Don Quijote wollte ihn überwältigen, doch in seinem Übermut verfehlte er den Pfarrer und krachte selbst zu Boden. Der Pfarrer erschrak so sehr, dass er über einen kleinen Hocker stolperte und ebenfalls auf den Holzboden fiel. Don Quijote konnte sich jedoch schneller aufrappeln, rannte aus dem Zimmer und zur Haustüre hinaus. Vor dem Haus saßen drei alte Männer, die in Ruhe ihren Mittagsschlaf hielten. Don Quijote erschrak, als er sie erblickte und brüllte: „Oh nein! Die drei schwarzen Ritter! Ich muss ir-gendwie an ihnen vorbei!" Dann sah er einen Esel, der an einer Stange festgebunden war. „Rosinante!", rief er. Er stieg auf den Esel und gab ihm die Sporen. „Los Rosinante! Lauf!" Der Esel galoppierte so schnell er konnte an den alten Männern vorbei, die durch das Ge-schrei aufgewacht waren und sich jetzt nur verdutzt anschauten.
Nach einem längerem Ritt kam Don Quijote an eine Lichtung, an der ein Bauer seinen Holzwagen abgestellt hatte. Das Pferd hatte er an einem Baum angebunden, er selbst rastete neben seinem Wagen. Der Holzwagen war nicht sehr groß und enthielt nur einen Sack Mehl. Als Don Quijote den Wagen erblickte, schrie er: „Eine Prinzessin in der Gefangenschaft eines Drachen!" Er nahm einen Stock, den er als Lanze benutzte, legte ihn an und ritt mit lauten Gebrüll auf den vermeintlichen Drachen los. Der Bauer bekam solche Angst, dass er Hals über Kopf davonstürmte. Und Don Quijote prallte gegen den kleinen Wagen, dass dieser in Einzelstücke zersprang. „Ich habe euch aus den Klauen dieses Ungetüms befreit. Kommt mit auf meine Burg, holde Prinzessin!", rief er dem Mehlsack zu. Dann legte er ihn über den Esel und machte sich auf den Weg.
Nach längerer Zeit sprach er: „Seht, da vorne ist meine Burg." Er ritt auf ein Holzhaus zu. Don Quijote war so verrückt, dass er wieder zu dem Haus des Pfarrers zurückgeritten war, der ihn schon an der Tür empfing. „Wo wart ihr?", fragte er. „Sei still, Hofnarr, und bring diese schöne Prinzessin in unser schönstes Zimmer", antwortete der Ritter, der gerade von seinem „Pferd abstieg. Die drei alten Männer waren immer noch da und konnten sich kaum halten vor Lachen. Don Quijote betrat das Haus und begab sich wieder in sein Studierzimmer. Der Pfarrer sperrte schnell ab und brachte den Sack Mehl in die Speisekammer. Er was ziemlich erleichtert, dass diesmal nichts Schlimmeres passiert war und er keinen Ärger mit dem Poli-zeihauptmann bekam.
Sebastian Schingale (7c)
Befreiung von Jungfrauen oder eine Befreiung von Schafen
Seit dem Abenteuer mit der Prinzessin sorgte der Pfarrer dafür, dass Don Quijote nicht mehr aus dem Haus ging, nicht einmal für einen Spaziergang – das hatte er dem Polizeihauptmann versprochen. Einmal im Monat schaute der Hauptmann persönlich nach dem Rechten. Rosi-nante hatte man schon vor langem an einen Pferdehändler verkauft, was Don Quijote fast das Herz brach. Die Rüstung war in ein Rittermuseum gesteckt worden. So verstrich ein Jahr nach dem anderen. In dem grauen Haarschopf Don Quijotes bildete sich schon ein Stück Glatze am Hinterkopf. Er bestand darauf, dass man ihm stets ein paar Haare über die kahle Stelle kämmte. Doch plötzlich, eines sonnigen Sommertages – der Pfarrer lag krank im Bett und der Barbier war ausgefahren, um Rasierwasser zu kaufen – gelang es Don Quijote unbemerkt aus dem Haus zu schleichen. Während er die frische Luft einatmete, stieg in seinen Kopf wieder Abenteuerlust. „Riecht nach bösen Unholden, die ihr Unwesen treiben! Höchste Zeit, ihnen das Handwerk zu legen!" So machte er sich auf den Weg. Ähnlich wie beim ersten Ausritt drückte die Sonne auf das versengte Gras. Da Rosinante verkauft und kein Esel zu finden war, lief er nun zu Fuß des Weges, was sich allerdings bald ändern sollte. Pfeifend schritt er die Landstraße nach Cartana entlang. Also mal ehrlich, Pfeifen konnte man das weniger nennen, meinem Musiklehrer hätt’s da im Kopf gegraust, eine Mischung aus Pusten und Gequiet-sche... Und prompt versucht doch glatt einer, ihm den Wettbewerb streitig zu machen. In ei-nem Gatter eingesperrt quiekte ein hopsendes Schwein und trat dabei mit den Vorderpfoten gegen die Holztür. Wie von einer Wespe gestochen rannte Don Quijote – soweit es seine alten Beine zuließen – zum Stall und öffnete das Gatter. Was das Zeug hielt, zischte die Sau in Ka-nonenschnelle in die Freiheit. Ohne lang zu überlegen, schmiss sich der Ritter auf das Schwein und klammerte sich am Unterleib fest. Im wilden Galopp rannte das Tier auf einem Schotterweg zum Ortsausgang hinaus, zurück blieb eine riesige Staubwolke und ein noch wütenderer Ex-Schweinbesitzer . Nun hatte das Abenteuer begonnen.
Don Quijote hatte es geschafft, die wilde Sau zu zähmen. So ritt das Paar nun schon seit Ta-gen, Wochen, vielleicht sogar Monaten über Stock und Stein. Eines Tages kamen die zwei an einer Schafherde vorbei, doch Don Quijote hielt sie für Jungfrauen, welche von einem bösen Drachen gefangen gehalten worden waren. Des Drachens bösen Wächter – hundeartige, stän-dig sabbernde, zähnefletschende Wesen – achteten auf die hübschen Jungfern . „Schau Man-fred!", meinte Don Quijote zu der Sau, welche er Manfred nannte: „Mein Einsatz ist verlangt !" Er drängte das Schwein auf die Schafherde zu. Während er mit einem Stecken, welchen er als Schwert ansah, auf den Schäfer zustürmte, schrie er immer wieder: „Haltet aus, Jungfern! Euer Retter ist da!" Der Hirte saß in mitten der Schafherde, und so bahnte sich Don Quijote den Weg zum angeblichen Drachen. „Spare dein Feuer für das Leben in der Hölle!", rief er zum Schäfer, „verschwende es nicht für mich. Ich besiege dich sowieso, so wahr ich Don Quijote, der ungeschlagene Ritter, heiße!", sprach er und hielt den Stock, als würde eine Lanze führen.
Doch plötzlich fingen die Hunde lauthals an zu bellen, wobei die Sau fürchterlich erschrak und prompt stehen blieb. Durch den abrupten Halt wurde Don Quijote in hohem Bogen über die abgegraste Weidefläche geschleudert und landete direkt vor des Schäfers Füßen, welcher nicht wusste, ob er über die Dummheit des falschen Ritters lachen oder über das Durcheinan-der in seiner Herde wütend werden sollte. Kurz entschlossen entschied er sich für beides und fing aus Leibeskräften an zu lachen. Dann verstummte er und brüllte sodann den ehrenwerten Ritter an, als hätte er sein Leben ernsthaft bedroht. Die Hunde waren seinem Stimmungs-wechsel gefolgt und standen knurrend vor Don Quijote. „Sitzt, Bello und Hasso!", be-schwichtigte der Schäfer die zwei.
Den Rest könnt ihr euch ja denken. Als der kranke Pfarrer von dem Ausreißen seines Gefan-genen gehört hatte, hatte er den Barbier sofort von seiner Geschäftsreise heimholen lassen und sich samt dem ärgerlichen Hauptmann auf die Suche nach dem Ausgerissenen begeben. Und wie es so schön heißt : „Wer suchet, der findet." So brachte man den mit blauen Flecken über-säten Abenteurer nach Hause. Der Hauptmann verwarnte ihn nun wieder „Sie werden jetzt, lieber Herr Quijote, wegen Raub einer Sau, Aufhetzung von Schafen und unzulässigem Ver-lassen des Hauses für eine bestimmte Zeit in Untersuchungshaft geschickt." Mit diesen dienstlich strengen Worten endet auch dieses Abenteuer.
Volker Tolle (7c)
