Auswertungsbeispiel

Sehr geehrte Eltern,

wie Ihnen Ihre Kinder sicherlich mitgeteilt haben, führten wir im Rahmen unserer täglichen Sportstunde vor einigen Wochen einen sportmotorischen Test, den sog. Münchner-Fitnesstest (MFT) nach Dr. Horst Rusch und Werner Irrgang von der TU München durch. Der MFT ist ein standardisiertes Testverfahren zur Messung konditioneller und koordinativer Fähigkeiten von Schülern/innen im Alter von 9-17 Jahren.

Die Auswertung der ersten Testreihe liegt nun vor und wir möchten Ihnen auf diesem Wege die Ergebnisse Ihres Kindes gerne mitteilen. Bitte verstehen Sie diese Ergebnisse als eine Art Bewegungs-Check-Up über den gegenwärtigen Stand der Bewegungsfähigkeiten Ihres Kindes. Sie stellen keine Bewertung im Sinne der schulischen Notengebung dar, sondern zeigen Ihnen, ob und in welchen Bereichen Ihr Kind evtl. motorische Defizite hat bzw. wo seine Stärken liegen. Die Kinder sollen auf diese Weise erfahren, dass bestimmte motorische Grundlagen für ein Erleben der Vielfalt und des Reichtums der Bewegungswelt in der Schule und in der Freizeit und damit für die Lebensqualität erforderlich sind.

Durch Wiederholung dieses Testes am Schuljahresende, kann zudem die individuelle Entwicklung der sportlichen Leistungsfähigkeit Ihres Kindes festgestellt werden.

 

Hinweise zur Testauswertung:

Die sechs Testaufgaben des MFT repräsentieren wesentliche Komponenten des konditionellen und koordinativen Fähigkeitsbereichs und spiegeln in Ihrer Gesamtheit das Niveau der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit wider.

Die Testergebnisse Ihres Kindes wurden in einen Testerfassungsbogen eingetragen. Mit Hilfe von geschlechtsspezifischen Normierungstabellen für die Alterstufen 6-17 wurden anschließend die Testresultate (Rohwerte) in sog. T-Werte transformiert. Anhand der gewonnenen T-Werte lässt sich mit Hilfe einer fünfstufigen Beurteilungsskala das personenbezogene Fähigkeitsniveau der Schüler/innen ermitteln (vgl. Tabelle 0).

Beurteilungsskala mangelhaft

ausreichend

befriedigend

gut

sehr gut

T-Wert Skala

-35

36 - 45

46 – 55

56 – 65

66 -

Tabelle 0: Beurteilungsskala

 

Als Grobdiagnose kann durch die Addition der T-Werte für die sechs Testaufgaben und anschließender Teilung durch sechs ein mittlerer Gesamtwert errechnet und mit Hilfe dieser fünfstufigen Skala beurteilt werden. Die Ergebnisse Ihres Kindes werden unten in Tabelle 1 (Grobdiagnose) dargestellt.

Die fähigkeitsbezogene Differentialdiagnose (Beispiel siehe unten) lässt im Gegensatz zur Betrachtung des mittleren Gesamtwertes eine genauere Beurteilung Ihres Kindes zu. Für diese genauere Beurteilung des Testergebnisses habe ich für Ihr Kind eine Profildiagnose (Tabelle 2) erstellt. Der T-Wert 50 stellt in dieser Profildiagnose den durchschnittlichen Fitnessstandard (unter Einbeziehung von Alter und Geschlecht) der jeweiligen Testaufgaben dar. Sie können von diesem Wert ausgehend mangelnde, zufriedenstellende und gute Leistungen Ihres Kindes in den motorischen Teilbereichen Koordination (Testaufgaben 1 und 2), Beweglichkeit (Testaufgabe 3), Kraftfähigkeiten (Testaufgaben 4 und 5) und Ausdauer (Testaufgabe 6) entnehmen.

Sollten Sie diesbezüglich Fragen haben stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Krapf


 

 

Fähigkeitsbezogene Differentialdiagnose:

TESTAUSWERTUNGSBOGEN Datum: 23.09.2003
 
 
 
Name, Vorname :

Schülerin A

Klasse : 5a
Geburtsdatum : 12.10.1991

 

Testaufgabe

Rohwerte

T-Werte Beurteilung
1. Ballprellen 47 52 befriedigend
2. Zielwerfen 12 58 gut
3. Rumpf-/Hüftbeugen -5 36 ausreichend
4. Standhochspringen 24 42 ausreichend
5. Halten im Hang 3 35 mangelhaft
6. Stufensteigen -4 58 gut
Summe der T-Werte = 281 Gesamtbeurteilung
mittlerer Gesamtwert (Summe : 6) gerundet = 47 befriedigend

Tabelle 1: Grobdiagnose

Tabelle 2: Profildiagnose

 

Die Schülerin A zeigt in diesem Beispiel deutliche Mängel im Kraft- und Beweglichkeitsbereich, zufriedenstellende Leistungen bei der Koordinationsaufgabe "Ballprellen" und gute Leistungen beim "Zielwerfen" sowie beim "Stufensteigen".

Mit der Schülerin A sollte deshalb ganz besonders eine Kraft- und Beweglichkeitsschulung durchgeführt werden. Aus der einschlägigen Fachliteratur kann ein Übungsleiter/Trainer/Sportlehrer spezifische Übungsvorschläge entnehmen und diese entsprechend den Voraussetzungen seiner Schüler und den Rahmenbedingungen seines Unterrichts einsetzen.